Ferien im Kinderhotel. In diesem Jahr wurden wir kurzfristig aus familiären Gründen gezwungen, unseren Sommerurlaub neu zu planen. Der Tochter wurde seit einem halben Jahr vom Urlaub am Meer vorgeschwärmt, auf den sie sich riesig freute. Dieser musste abgesagt werden und löste bei ihr eine extreme Krise mit fürchterlichem Heulanfall aus.
Gerührt durch diese Szene, habe ich sehr schnell beschlossen, bei der Neuplanung unbedingt und auf alle Fälle die Interessen der Tochter über alle anderen zu stellen.
Die Entscheidung fiel auf ein Kinderhotel in Österreich. Zumindest hatte es für mich den Charme, dass ich unser Auto so voll beladen konnte, wie ich nur wollte und mich an kein Höchstgewicht beim Gepäck kümmern musste. Die Tochter war einverstanden, da sie etwas von Schwimmen, Piratenland, Kinderdisco, Basteln und eigenem Kinderzimmer mit Stockbett mitbekommen hat.
Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht!
Pünktlich zum Mittagessen checkten wir im Hotel ein. Obwohl ich es erahnen konnte, war ich doch etwas überrascht oder vielleicht sogar überfordert, welche Kinderhorden mir beim Buffet entgegenkamen. Ein Slalomlauf ist notwendig, um sein Essen einigermaßen sicher an den Tisch zu balancieren. Vom Geräuschpegel ganz zu schweigen.
Eigentlich dachte ich auch, dass das Animationsprogramm von den speziell dafür abgestellten Kinderanimateuren abgehalten wird.
Da sollte ich mich aber täuschen, denn manche Eltern nehmen das Motto Kinderhotel wohl zum Anlass, um sich selbst in Kleinkinder zurück zu verwandeln. Sie machen Auto-, Glucks- und Quietschgeräusche, um die lieben Kleinen bei Laune zu halten und das in einer Lautstärke, dass einem dezentes Weghören unmöglich macht.
Gemüse ist gesund!
Interessant war auch, dass es ein Kinderbuffet gab, mit all den Dingen, die von den meisten Kindern geliebt werden: Pommes, Nudeln, Fischstäbchen, Kartoffelbrei und Würstchen. Nur wurde dies meist schneller von den Erwachsenen gestürmt, als von den Kindern. Bei den Kindern wurden dann Überredungskünste an den Tag gelegt, um ihnen Salat und Gemüse schmackhaft zu machen…
Zum Abschluss eines jeden Essens kommt dann die Bedienung an den Tisch und fragt: „Darf ich dir ein Eis bringen? Mit Streuseln, Gummibärchen oder Smarties drauf?“ Selbst meiner Tochter blieb bei der Frage am ersten Tag der Mund offen stehen.
Später im Schwimmbadbereich, bei gefühlten 45 Grad Raumtemperatur und 35 Grad Wassertemperatur, spielen sich ähnliche Szenen ab. Alles wunderbar kindgerecht, laut und spritzendes Wasser. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Bücher im Urlaub zu lesen…
Wir wollen heim! Wir bleiben da!
Mein Mann und ich überlegten nur noch, wie wir für uns aus dem Urlaub das Beste machen konnten und zählten schon die Tage, bis wir wieder nach Hause dürfen.
Am nächsten Tag beim Abendessen ereignet sich folgende Szene. Das Töchterchen stillt relativ schnell ihren Hunger und sagt: „Mir ist so langweilig – ich will in die Kinderbetreuung.“ Wir hätten ihr das nicht vorgeschlagen, denn ein schlechtes Gewissen hätte uns geplagt, sie beim Abendessen nicht dabei haben zu wollen. Aber wenn das ihr eigener Wille ist, ist das natürlich etwas ganz anderes.
Und genau so laufen auch die nächsten Tage und Abende ab. Mit viel Freiraum für Eltern und viel Spaß für die Kinder und alles ganz selbstverständlich.
Und in der Mitte der Woche, als die kleine Tochter alleine mit ihren neuen Freunden an der Bar sitzt und sich einen Kindercocktail nach dem anderen bestellt, überlegen wir, wann wir wieder ins Kinderhotel fahren.
Was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich bin ab sofort ein Fan von Kinderhotels.